Mikroplastik im Glas: was die Forschung über Getränke sagt

Banner NaturStrohhalme: Mikroplastik in Getränken, was die Forschung sagt

Ein Gast bestellt ein stilles Wasser, Sie servieren es in einem sauberen Glas, alles wirkt unverdächtig. Über Mikroplastik in Getränken kursieren derweil große Zahlen und noch größere Schlagzeilen, und die wenigsten nennen ihre Quelle. Wenn Sie täglich entscheiden, was ins Glas kommt, lohnt sich der Blick auf die Studien selbst. Vorweg: Panik ist die schlechteste Reaktion, Neugier die deutlich nützlichere.

Die Zahl, die 2024 für Aufsehen sorgte

Im Januar 2024 veröffentlichte ein Team der Columbia University in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) eine Untersuchung von abgefülltem Trinkwasser dreier US-Marken: im Schnitt rund 240.000 Kunststoffpartikel pro Liter, je nach Probe zwischen 110.000 und 370.000. Etwa 90 Prozent davon waren Nanoplastik.

Das ist 10- bis 100-mal mehr als frühere Schätzungen. Der Sprung liegt weniger an schmutzigerem Wasser als an besserer Technik, denn frühere Messungen erfassten vor allem Mikroplastik, also größere Partikel. Erst eine neue Mikroskopie mit stimulierter Raman-Streuung (SRS) machte Partikel bis in den Bereich von 100 Nanometern chemisch bestimmbar. Häufiger als PET aus der Flasche fand das Team Polyamid, vermutlich aus den Kunststofffiltern, mit denen das Wasser gereinigt wird.

Eine Studie, die viele überrascht hat

2025 veröffentlichte ein Team der französischen Behörde ANSES Messungen zu Mikroplastik in Getränken aus Glas- und Kunststoffflaschen, Dosen und Kartons. Die Mittelwerte je Getränkeart:

  • Wasser: 2,9 Partikel pro Liter
  • Wein: 8,2 Partikel pro Liter
  • Eistee: 28,5 Partikel pro Liter
  • Cola: 31,4 Partikel pro Liter
  • Limonade: 45,2 Partikel pro Liter
  • Bier: 82,9 Partikel pro Liter

Am stärksten mit Mikroplastik belastet waren Getränke aus Glasflaschen. Cola, Limonade, Eistee und Bier aus Glas kamen im Schnitt auf rund 100 Partikel pro Liter, fünf- bis fünfzigmal mehr als aus Kunststoffflaschen oder Dosen. Bevor jemand seine Flaschenlieferung storniert, lohnt der Blick auf die Ursache: Form, Farbe und Polymerzusammensetzung der Partikel stimmten mit dem Lack auf der Außenseite der Metallverschlüsse überein. Das Glas selbst war nicht die Quelle.

Genau deshalb lässt sich die Menge an Mikroplastik beeinflussen. In einem Versuch sank die Belastung von 287 auf 106 Partikel pro Liter, nachdem die Verschlüsse mit Druckluft abgeblasen wurden, und auf 87 Partikel pro Liter, wenn sie zusätzlich gespült wurden. Ob diese Mengen ein Gesundheitsrisiko darstellen, lässt sich laut ANSES mangels toxikologischer Referenzwerte nicht sagen.

Die ANSES-Studie zu Mikroplastik in Getränken blieb nicht ohne Widerspruch. Der europäische Behälterglasverband FEVE betonte, dass die Partikel laut Studie von den Verschlüssen stammen und nicht vom Glas. Forschende um Jane Muncke vom Food Packaging Forum kritisierten in einem Fachkommentar, dass die Umrechnung pro Liter kleine Flaschen stärker belastet erscheinen lässt.

Und die Größenordnung gehört mitgedacht: Hier geht es um einige Dutzend Partikel pro Liter, bei Columbia um Hunderttausende. Verschiedene Methoden, verschiedene Messbereiche: Zahlen zu Mikroplastik in Getränken sind deshalb nicht direkt vergleichbar. Wein blieb übrigens niedrig, auch in Glasflaschen mit Korken.

Was die Behörden zu Mikroplastik sagen

Auf die Frage „Ist das gefährlich?“ gibt es derzeit keine abschließende Antwort.

  • BfR (Dezember 2025): Nach aktuellem Stand der Wissenschaft stellt Mikroplastik eher ein geringes Gesundheitsrisiko für den Menschen dar. Ein ursächlicher Zusammenhang mit konkreten Erkrankungen ist nicht belegt, Forschungsbedarf besteht weiterhin. Viele Studien zu Mikroplastik beruhen auf kleinen Stichproben, und international standardisierte Nachweisverfahren gibt es bislang nicht.
  • EFSA: Eine vollständige Risikobewertung von Mikro- und Nanoplastik in Lebensmitteln liegt noch nicht vor. Zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen kann die Behörde deshalb derzeit keine Aussage treffen.

Ein geringes Risiko durch Mikroplastik heißt nicht, dass alle Fragen geklärt sind. Eine Beobachtungsstudie aus dem New England Journal of Medicine (2024) hat viel Aufmerksamkeit bekommen: Bei 150 von 257 nachbeobachteten Patienten, also 58 Prozent, fand sich Mikro- und Nanoplastik, vor allem Polyethylen, in den Ablagerungen der Halsschlagader. Diese Gruppe erlitt in den folgenden rund 34 Monaten häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall oder starb. Eine Beobachtungsstudie kann keinen ursächlichen Zusammenhang belegen. Sie ist ein Grund weiterzuforschen, keiner, den Betrieb umzubauen.

Der Halm: kleines Teil, direkter Kontakt

Beim Halm wird es konkreter, denn er steckt oft minutenlang im Getränk. 2023 untersuchte eine Gruppe um Thimo Groffen von der Universität Antwerpen 39 Trinkhalm-Marken aus fünf Materialien auf PFAS und veröffentlichte die Ergebnisse in Food Additives & Contaminants. Nachweisbar waren die Substanzen in:

Material Marken mit PFAS Anteil
Papierhalme 18 von 20 90 %
Bambushalme 4 von 5 80 %
Kunststoffhalme 3 von 4 75 %
Glashalme 2 von 5 40 %
Edelstahlhalme 0 von 5 0 %

Insgesamt enthielten 27 der 39 Marken PFAS. Ob die Stoffe gezielt zugesetzt wurden oder als Verunreinigung hineingelangten, etwa über Boden oder Prozesswasser, ist nicht bekannt. Weil sie in fast jeder Papiermarke auftauchten, halten die Forschenden eine wasserabweisende Beschichtung in einigen Fällen für wahrscheinlich. Zwei der gefundenen Verbindungen, TFA und TFMS, sind sehr gut wasserlöslich und könnten ins Getränk übergehen. Die Konzentrationen waren niedrig, bei gelegentlicher Nutzung sehen die Autoren ein begrenztes Risiko. Bemerkenswert bleibt, dass ausgerechnet die als nachhaltig beworbene Papiervariante am häufigsten auffiel. Mehr dazu in unserem Vergleich Papierstrohhalm oder NaturStrohhalme.

Wo NaturStrohhalme ansetzen

Unsere Halme bestehen aus 57 % Tapiokastärke und 42 % Pfeilwurzelmehl, bei den farbigen Varianten mit 1 % natürlicher Farbe. Der weiße Halm enthält 57 % Tapiokastärke und 43 % Pfeilwurzelmehl. Die Halme haben keine Beschichtung und sind damit keine typische PFAS-Quelle. Sie sind nach den EU-Vorgaben für Lebensmittelkontakt geprüft.

  • vegan (V-Label) und glutenfrei
  • geschmacksneutral, ohne Eigenaroma im Drink
  • bis zu 2 Stunden formstabil in kalten Getränken
  • Einwegprodukt ohne Reinigungsaufwand

Dazu vier Farben aus echten Zutaten: Weiß (natur), Gelb (Kurkuma), Rot (Rote Bete) und Grün (Pandan). Ein roter Halm im fruchtbetonten Cocktail, ein grüner im Gurken-Gimlet. Aus unserer Bestellstatistik: Ø 8 × 200 mm ist unser meistbestelltes Format in der Gastronomie.

Quellen

  • Qian et al. (2024): Rapid single-particle chemical imaging of nanoplastics by SRS microscopy. PNAS. Columbia Public Health
  • Chaïb et al. (2025): Microplastic contaminations in a set of beverages sold in France. Journal of Food Composition and Analysis. ANSES
  • FEVE (2025): Stellungnahme der europäischen Behälterglasindustrie zur ANSES-Studie. feve.org
  • Muncke et al. (2025): Kommentar zu Chaïb et al., Journal of Food Composition and Analysis. Food Packaging Forum
  • BfR (2025): Mitteilung 055/2025, Mikroplastik: Diskrepanz zwischen wissenschaftlichem Kenntnisstand und öffentlicher Wahrnehmung. bfr.bund.de
  • EFSA: Microplastics and nanoplastics in food. efsa.europa.eu
  • Marfella et al. (2024): Microplastics and Nanoplastics in Atheromas and Cardiovascular Events. New England Journal of Medicine. nejm.org
  • Groffen et al. (2023): Assessment of poly- and perfluoroalkyl substances (PFAS) in commercially available drinking straws. Food Additives & Contaminants: Part A. tandfonline.com

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